IFFA 2019 im Zeichen von mehr Nachhaltigkeit

Interview mit Remo Weder, Geschäftsführer der SEALPAC Schweiz GmbH

Eschlikon,  Juni 2019

Die Branche blickt auf die IFFA 2019 und erwartet gespannt die Neuheiten, mit der sich die Aussteller auf Weltleitmesse für die Fleischwirtschaft präsentieren. Zu den Trendthemen, die Hersteller und Handel beschäftigen, zählen nicht erst seit der neuen EU-Kunststoffverordnung die Ressourcenschonung und mehr Nachhaltigkeit. Die SEALPAC GmbH rückt diesen Themenschwerpunkt ganz in den Mittelpunkt ihres Messeauftritts und gibt mit durchdachten Konzepten wegweisende Antworten. Packaktuellsprach dazu mit Remo Weder, Geschäftsführer Sealpac Schweiz GmbH.

SEALPAC rückt das Thema Nachhaltigkeit ganz in den Fokus des IFFA-Messeauftritts. In welcher Weise haben Sie sich als Verpackungsspezialist damit beschäftigt?

Mehr Klimaschutz durch einen nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen zu erreichen, ist eine globale Herausforderung. Die Verpackungsbranche trägt hier ganzheitlich eine besondere Verantwortung und muss bei der Entwicklung von nachhaltigeren und gleichzeitig funktionalen Verpackungen viele teilweise ineinandergreifende Aspekte berücksichtigen. Das, was technisch machbar ist, darf nicht vollkommen unwirtschaftlich sein. 

Unser Unternehmen hat bereits 2003 erkannt, dass sich mit Modifikationen etablierter Verpackungsarten ein noch grösserer Nutzen erzielen lässt. Bei den MAP-Verpackungen haben wie die Verpackungen damals dahingehend verändert, dass wir ihnen eine Rippenstruktur verpasst haben, die einerseits für einen besseren Fluss des Schutzgases innerhalb der Verpackung gesorgt und andererseits die Stabilität der Trays erhöht hat. Auf diese Weise haben wir auch das Thema Nachhaltigkeit angepackt: Hier sind wir seit geraumer Zeit dabei, ebenfalls durch Optimierungen konventioneller Verpackungen Fortschritte zu erzielen – und haben schon eine Menge erreicht: Für das gängigste Schalenformat im Fleischsegment, die in Europa meistverwendete Frischfleischschale 190 x 144 mm, ist es uns gelungen, das Material erheblich zu reduzieren – unter vollständiger Beibehaltung der Maschinengängigkeit und Stabilität. Von 18 Gramm im Jahr 2003 konnten wir in enger Kooperation mit unseren Systempartnern auf der Materialseite aktuell auf nur noch 10 Gramm reduzieren.

Mit unserer Entwicklungsabteilung und in sehr enger Zusammenarbeit mit den Schalenherstellern unternehmen wir kontinuierlich Anstrengungen dafür, den Kunststoffeinsatz für die SB-Verpackungen weiter zu reduzieren. Wo das nicht mehr möglich ist, muss das Recycling weiter vorangetrieben werden. Hier möchten wir einen veränderten Umgang mit Verpackungen unterstützen. Für das, wie wir sagen, Vor-Recycling kann z. B. das Trennen in Einzelbestandteile, beispielsweise in Karton und Kunststoff, bereits durch den Konsumenten sehr sinnvoll sein. Der Herstellprozess der Schale muss dies gewährleisten, aber auch der Konsument muss dazu angeleitet werden. Dazu ist viel Kommunikation notwendig: Durch Erklärungen, aber auch durch andere Anreize, wie Gewinnspiele und mehr. Spüren die Konsumenten die Vorteile selbst, z. B. durch weniger Verpackungsmüll im gebührenpflichtigen Abfallsack, sind sie auch bereit, langfristig ihr Verhalten zu ändern. Dies zeigt im Übrigen auch eine in der Deutschen Lebensmittelzeitung (33/2018) veröffentlichte Verbraucherumfrage zur Bereitschaft einer möglichen Trennung in Einzelbestandteile. Demnach sind 69 % der Konsumenten grundsätzlich dazu bereit, die Verpackung in die Einzelbestandteile zu zerlegen und getrennt zu entsorgen. 

Ist die Zukunft der Verpackung damit kunststofffrei?

Nein, das sehen wir nicht so. Ohne Kunststoff bzw. Kunststoffverbunde sind nach heutigem Stand im Frische-Segment und für weiterverarbeitete Lebensmittel keine sicheren Verpackungen realisierbar. Hier strebt die Branche unter anderem die Verwendung von Mono-Materialien wie PP an, um die Recyclingfähigkeit zu verbessern. Bestimmte Produkte wie frische Lebensmittel oder auch nachreifendes Fleisch benötigen jedoch zwingend Feuchtigkeits- oder Sauerstoffbarrieren, um die Qualität und die Haltbarkeit der verpackten Ware zu bewahren. Je nach Anwendung muss man sagen: Ohne Barriere geht es nicht! Hier kann die Lösung nur lauten, den Funktionswerkstoff Kunststoff so weit wie möglich zu reduzieren und gegebenenfalls durch alternative Trägerwerkstoffe wie Kartonfasern zu ersetzen. Wir machen dies beispielsweise, indem wir bei unseren Verpackungen den Anteil an Faserwerkstoffen erhöhen. Wie das funktioniert, zeigen wir seit zwei Jahren eindrucksvoll mit unseren FlatSkin®-Verpackungen.

Was ist das Besondere an FlatSkin®?

Der Entwicklung von FlatSkin®lagen zwei grundsätzliche Gedankengänge zugrunde: Zum einen das grundsätzliche Umdenken der Branche hin zu mehr Nachhaltigkeit. Zum anderen war nach zwei Jahrzehnten MAP als vorherrschende Fleischverpackung die Zeit reif für etwas Neues: Hersteller und Handel wollten wieder mehr Differenzierung und stellen die Frage, auf welche Weise es möglich ist, einen neuen Look in die Kühlregale zu bringen. Mit FlatSkin®vereinen wir beide Wünsche. Bei dem Verfahren wird das Produkt, z. B. ein Steak, von einer hochtransparenten Barrierefolie auf einen flachen Produktträger aus gebleichtem oder ungebleichtem Frischfaserkarton geskinnt, der mit einer polymären Schutzschicht kaschiert ist. Die Kaschierung stabilisiert den Kartonträger und bildet eine zuverlässige Barriere gegen Fett, Wasser und Sauerstoff. Das Verfahren vereint alle Vorteile des Skinnens, also eine verlängerte Haltbarkeit, einen guten Nachreifungseffekt sowie eine besonders attraktive und aufmerksamkeitsstarke Produktpräsentation. Gleichzeitig zeichnet es sich durch besondere Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit aus: Es verringert den Kunststoffeinsatz signifikant und verbessert die Recyclingfähigkeit. Das Karton-Board lässt sich zudem auf beiden Seiten hochwertig bedrucken und bietet damit viel Fläche für Produktinformation und Branding. Das lässt viel Raum für Kommunikation, eben auch für die Erläuterung des Nachhaltigkeitsaspekts und die Anleitung zum Umgang mit der Verpackung bei der Entsorgung.

Wie wurde die Verpackung angenommen?

Mit FlatSkin®sind wir überraschend schnell auf Akzeptanz bei Herstellern, Handel und Konsumenten gestossen. Ein Grund ist sicher auch die Wiederbesinnung auf Skin-Lösungen zur Verpackung bestimmter Produkte, für die sich damit Vorteile im Vergleich zu den vorherrschenden MAP-Verpackungen ergeben. Wir haben ja bereits 2007 mit TraySkin®ein einmaliges Skin-Verfahren etabliert, bei dem das Produkt direkt in eine vorgefertigte Schale geskinnt wird. Die hochtransparente Folie schmiegt sich dabei wie eine zweite Haut an den Schaleninhalt. Schon TraySkin®wurde von der Branche sehr gut angenommen, denn bestimmte Produkte wie marinierte Fleischwaren sind tendenziell besser in einer Schale aufgehoben. Mit FlatSkin®decken wir nun ein völlig neues Segment ab. Wir sind damit seit etwa zwei Jahren am Markt und haben grossen Zuspruch für das Verfahren erhalten, das unter anderem durch seine Prozesssicherheit überzeugt: Die innovativen Produktträger beweisen eine gute Bandlauffähigkeit auf allen entsprechend eingerichteten SEALPAC Traysealern der A-Serie. Dieses neue Skin-Verfahren wurde inzwischen erfolgreich bei einer Vielzahl von Kunden in ganz Europa eingeführt. 

Wie geht die Entwicklung weiter?

Mehr als zehn Jahre nach TraySkin® sind wir mit FlatSkin®sehr zielgerichtet auf den Markt gekommen. Jetzt werden die Innovationsschübe schneller. Pünktlich zur IFFA 2019 präsentieren wir eine absolute Neuheit im MAP-Bereich, die dem Motto von FlatSkin®folgt: Weniger Kunststoff, mehr Kommunikation. Unser neues Produkt heissteTray®. Dabei steht „e“ für „ecologically“. eTray®ist eine innovative Schale, die sich für alle MAP-Anwendungen – also auch für Fleischprodukte – hervorragend einsetzen lässt und zu 79 % aus Fasern, zu 15% aus einem Kunststoff-Inlay und zu 6% aus dem Top-Film besteht. Ein Karton-Stanzling, der sich innen und aussen hochwertig und individuell für den Produzenten und jeweilige Anwendung bedrucken lässt und damit viel Raum für Informationen bietet. Der Stanzling erhält ein Kunststoff-Inlay, das nur noch als Siegel- und Funktionsmedium dient. Der mit einer hauchdünnen PP-Schicht überzogene Karton hat einen gut ausgeprägten Siegelrand und lässt sich absolut prozesssicher unter MAP-verschliessen. eTray®wird als vorgefertigte Schale ausgeliefert, ist formstabil, enstapelbar und zeichnet sich durch hervorragende Maschinengängigkeit aus. Im Vergleich zu herkömmlichen Verpackungsschalen in den gängigsten Formaten sparen wir hier zwischen 40 bis 60 % an Kunststoff ein. Nach Gebrauch wird hier wie bei FlatSkin®-Verpackungen verfahren: Trägermaterial und Kunststoff-Inlay lassen sich einfach trennen und separat entsorgen. Mit eTray®lassen sich hochwertige Fleisch- und andere Frischeprodukte bei uneingeschränkter Prozesssicherheit verpacken und mit dem neuen Look aufmerksamkeitsstark am POS präsentieren.

Wird eTray®eine kostenneutrale Verpackung sein?

Nachhaltigere Verpackungen können nach aktuellem Status und im Vergleich zu heutigen Lösungen nicht vollkommen kostenneutral hergestellt werden. Die Produktion von Verpackungen wie z. B. eTray®ist aufwendiger und wird in mehreren Schritten realisiert. Dafür bietet sie durch ihre aussergewöhnliche Optik auch die Chance, sich aufmerksamkeitsstark zu positionieren: Die Hochwertigkeit bestimmter Produkte lässt sich unterstreichen, wenn diese in entsprechendem Look präsentiert werden. Aus Diskussionen mit unseren Kunden ging übrigens hervor, dass die überwiegende Mehrheit bereit für diesen neuen Weg ist. Wir sind sicher, dass auch die Konsumenten bereit sind, für mehr Nachhaltigkeit einen Mehrpreis zu bezahlen, wenn Ihnen der Nutzen der Verpackung kommuniziert wird. Und gerade hier bieten eTray®und auch FlatSkin®hervorragende Möglichkeiten durch genug Raum für Erklärungen und eine gute Bedruckbarkeit des Kartonanteils der Verpackung.

Was erwartet die IFFA-Besucher neben diesen beiden Messe-Highlights noch am SEALPAC Stand?

Im Bereich der Handlingsysteme zeigen wir erstmals unser vollkommen neues Entstapelungskonzept der MA-Serie für den mittleren und oberen Leistungsbereich: Einen Magazinabstapler, der mit mehreren servogetriebenen Achsen ein bislang unerreicht zuverlässiges Entstapelungsresultat erzielt. Dieses Modul in Hygienic-Design ist so konzipiert, dass es sich in eine Vielzahl unserer Maschinenlösungen jederzeit auch nachträglich integrieren lässt – ein echtes Technik-Highlight, sehr hilfreich für viele Automatisierungsanforderungen. Zudem präsentieren wir auf unserem fast 500 m2grossen Messestand unsere Tiefziehanlagen und die Traysealer in breiter Range, von der Mittel- bis zur Hochleistungsanwendung, live im Einsatz. Nahezu alle Anlagen sind mit verschleissarmen, sehr detailintensiv abgestimmten Servoantrieben ausgestattet und zeichnen sich durch weiter optimierte Prozesse in der Kinematik aus. Mit geringfügigen technischen Änderungen eignen sich unsere Traysealer übrigens alle auch für eTray®- und FlatSkin®-Anwendungen. Darüber hinauswird unsereNachhaltigkeitsinitiative „Go sustainable“ über weitere Anstrengungen von SEALPAC in diesem Bereich informieren. Und wie gewohnt kann man sich auf unserem Stand einen weitreichenden Überblick über aktuelle Verpackungstrends aus aller Welt verschaffen. Wir präsentieren spannende Neuheiten, die unseren Besuchern eine Menge Inspiration bieten werden.

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